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Die Deutsche Psychoanalytische Vereinigung – DPV

Die DPV ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft. Ihr Zweck besteht in der Verbreitung und Weiterentwicklung der Psychoanalyse sowie in der Förderung und Durchführung der psychoanalytischen Ausbildung. Die Organisationsstruktur der DPV weist zentrale und föderale Anteile auf: Während die DPV-Geschäftsstelle ihren Sitz in Berlin hat, findet die Ausbildung zum Psychoanalytiker in 14 regionalen Instituten (Berlin, Bremen, Frankfurt, Freiburg, Gießen, Hamburg, Heidelberg- Karlsruhe, Kassel, Köln-Düsseldorf, Leipzig, Mainz, München, Stuttgart-Tübingen, Ulm) und in einer Arbeitsgruppe (Rostock/Greifswald) statt. Der zentrale Ausbildungsausschuss der DPV (zAA) sorgt dafür, dass die Ausbildung in allen 14 Instituten nach einheitlichen Regeln durchgeführt wird. Die Institute sind dabei relativ unabhängig, wie sie ihre gesamte Arbeit ausgestalten.

Der DPV gehören im Augenblick etwa 1100 Mitglieder an. Diese arbeiten zum großen Teil in eigenen Praxen, aber auch an Universitäten, in Kliniken und in Beratungsstellen. Sie sind in das Versorgungssystem der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung eingebunden.

Fast 300 Teilnehmer befinden sich in der Ausbildung zum Erwachsenenanalytiker. Zusätzlich gibt es für Erwachsenenanalytiker eine international anerkannte Weiterbildung zum Kinder- und Jugendlichenanalytiker.

Die DPV führt jährlich zwei wissenschaftliche Kongresse durch, die auf das lebhafte Interesse von durchschnittlich 500 bis 600 Mitgliedern und zahlreichen Ausbildungsteilnehmern treffen. Sie engagiert sich darüber hinaus öffentlich in zentralen und lokalen Aktivitäten zu Fragen psychischer Entwicklung und Gesundheit, zu Fragen der psychoanalytischen Sozialpsychologie und Kulturtheorie sowie zu Fragen von Philosophie, Kunst, Literatur, Film und Geschichte und Gesundheitspolitik. In den letzten Jahren hat die DPV ihr Engagement in der psychoanalytischen Forschung, insbesondere der Psychotherapieforschung und der gesundheitspolitisch immer bedeutsamer werdenden Versorgungsforschung, verstärkt, so dass heute umfangreiche, empirisch gesicherte Ergebnisse zur Wirksamkeit psychoanalytischer Therapie vorliegen.

Mit ihren nahezu 1100 Mitgliedern und 300 Ausbildungsteilnehmern ist die DPV eine der größten Gesellschaften der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV). Die IPV ist eine Organisation, welche weltweit die Kommunikation der Psychoanalytiker und ihrer nationalen Fachgesellschaften untereinander ermöglicht. Sie fördert ebenfalls die Verbreitung und Weiterentwicklung der Psychoanalyse sowie die psychoanalytische Ausbildung.

Zur Geschichte der DPV

Die ersten Jahre

1908 wurde in Deutschland das erste psychoanalytische Institut unter dem Namen Berliner Psychoanalytische Vereinigung gegründet. 1910 erfolgte die Konstituierung der Internationalen Psychoanalytische Vereinigung; 1920 wurde in Berlin eine psychoanalytische Poliklinik aufgebaut, und 1929 kam es zur Gründung des Frankfurter Psychoanalytischen Instituts. Diese Institute waren verbunden in der damaligen Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG). 1933 kam es zur Zerstörung und Selbstzerstörung der Psychoanalyse in Deutschland: die jüdischen Mitglieder wurden zum Austritt aus der Gesellschaft gedrängt und, soweit sie nicht emigrieren konnten, von den Nationalsozialisten verfolgt und umgebracht; 1938 wurde die Gesellschaft aufgelöst. Ein Teil der verbliebenen Analytiker arbeitete im Deutschen Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie, dem so genannten Göring-Institut weiter, wo vor allem Harald Schultz-Hencke seine von der IPV und den gemeinsamen psychoanalytischen Theorien abgekoppelte Neoanalyse entwickelte und erheblichen Einfluss gewann.

Nach der Neugründung der Berliner Psychoanalytischen Gesellschaft als Fortführung der damaligen DPG 1945 unter Carl Müller-Braunschweig entstanden schwere Auseinandersetzungen mit der neoanalytischen Gruppe in der DPG, so dass es 1950 schließlich zur Trennung einer Gruppe von Psychoanalytikern um Müller-Braunschweig von der DPG und zur Gründung der einem genuin freudschen Erbe verpflichteten DPV kam. Unter dem Vorsitz von Müller-Braunschweig wurde die DPV 1951 in die IPV aufgenommen. Die DPV hat seit ihrem Bestehen enge Beziehungen zu den anderen Fachgesellschaften Europas, der USA und Südamerikas. In Deutschland betreibt sie heute zusammen mit der DPG, die sich seit den 70er Jahren ebenfalls der freudschen Psychoanalyse und der IPV angenähert hat, und weiteren Fachgesellschaften unter dem Dachverband der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT) eine gemeinsame Berufspolitik.

Ausbildung zum Psychoanalytiker

Die Ausbildung besteht aus den drei Komponenten Theorie, Lehranalyse und Supervision. Freud und die Vielfalt der zeitgenössischen Psychoanalyse werden in den Curricula unserer Institute anschaulich gelehrt. Dazu gehören auch Seminare zur psychoanalytischen Sozialpsychologie und Kulturtheorie.

Wie die psychoanalytische Behandlung von Anna zeigt, entstehen zwischen Analytiker und Analysand intensive emotionale Prozesse, welche spezifische affektive und kognitive Fähigkeiten des Analytikers erfordern. Generell betrachten wir heute die therapeutische Beziehung und deren Verlauf als Dreh- und Angelpunkt der psychoanalytischen Behandlung: das Verstehen und die Entwicklung der therapeutischen Beziehung ist selbst ein kurativer Faktor. Nach unserer Auffassung kann sich ein kompetenter Umgang mit diesem therapeutischen Instrument nur auf dem Boden einer umfassenden eigenen Erfahrung entwickeln. Dies schließt die Entdeckung eigener blinder Flecken ein. Wir meinen daher, dass die Klärung der spezifischen affektiven Beziehungen zwischen Analytiker und Analysand am besten dann möglich ist, wenn in einer hochfrequenten eigenen Analyse diese blinden Flecken erfahren und auf dem Boden der eigenen Lebensgeschichte verstanden werden. Dies geschieht in der Lehranalyse mit vier Sitzungen pro Woche über einen Zeitraum von mehreren Jahren.

Zur Ausbildung gehören auch zwei vierstündige Patientenanalysen über jeweils mindestens 300 Stunden. Die engmaschige Supervision dieser Ausbildungsanalysen stellt einen weiteren tragenden Teil unseres Curriculums dar: in der Regel folgt auf vier Behandlungsstunden eine Supervisionsstunde. In den Supervisionssitzungen werden die Erfahrungen mit den Patienten besprochen. Anhand der in den Behandlungen zwangsläufig auftretenden Schwierigkeiten werden Fragen zur Behandlung, d.h. Fragen zum konzeptuellen Vorgehen und zur Technik sowie zur Verlaufsbeobachtung entfaltet. Die Herstellung eines sicheren Rahmens zur Entfaltung und Bearbeitung der oft tief in die Persönlichkeit des Analytikers eindringenden unbewussten Konflikte des Patienten ist für die Entwicklung psychoanalytischer Kompetenz zentral. Daher ist die Supervision nicht auf berufsbezogene Inhalte beschränkt, sondern muss auch die hoch individuellen persönlichen Gefühle, Reaktionsweisen, Phantasien und Konstruktionen des angehenden Analytikers als wichtige Elemente der Behandlungssituation und des Übertragungsgeschehens aufgreifen. Die persönliche Entwicklung zum Analytiker erfolgt so in einem langfristigen, kontinuierlichen Austausch mit dem Supervisor als psychoanalytisch erfahrenem Lehrer. Insgesamt ist die Supervision neben der Lehranalyse der zweite für die persönliche Entwicklung zum Psychoanalytiker wesentliche Bestandteil der Ausbildung.

Der formale Ablauf der Aus- und Weiterbildung in hochfrequenter Psychoanalyse gestaltet sich folgendermaßen: Für die Zulassung zur Ausbildung sind drei Bewerbungsgespräche bei Lehranalytikern der DPV erforderlich. Die weitere Ausbildung wird vom örtlichen Ausbildungsausschuss des jeweiligen Instituts in der dargestellten Weise organisiert. Der zentrale Ausbildungsausschuss der DPV ist zuständig für die allgemeine Koordination innerhalb der DPV und für das Abschlusskolloquium.

Die beschriebene Ausbildung ist auf Grund ihrer persönlichen Bedeutung lang und intensiv. Sie bildet aber auch die Basis für viele andere Anwendungen der Psychoanalyse in abgeleiteten Verfahren, wie analytischer Psychotherapie, tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie, Kurzzeittherapie, usw., welche an den DPV-Instituten ebenfalls vermittelt werden.

Im Rahmen der zum DPV-Abschluss führenden Ausbildung erwerben Psychologen berufsrechtlich die Voraussetzungen zur Approbation als psychologische Psychotherapeuten in den Vertiefungsverfahren analytische und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Ärzte erwerben im Rahmen der DPV-Ausbildung die Bereichsbezeichnung Psychoanalyse. Je nach den Weiterbildungsordnungen der jeweiligen Landesärztekammern in den einzelnen Bundesländern können sie Teilbereiche der angewandten Verfahren für ihre fachärztliche Weiterbildung nutzen.

Auch bereits approbierte Psychologen können im Rahmen der DPV-Ausbildung eine zweite Fachkunde in analytischer Psychotherapie erwerben (Einige Ausbildungsinstitute bieten daneben auch eine rein tiefenpsychologische Approbationsausbildung für Psychologen oder eine ärztliche Weiterbildung zur Bereichsbezeichnung (fachgebundene) Psychotherapie an).

Die Aus- und Weiterbildungen in diesen berufsrechtlich relevanten Verfahren richten sich nach den Anforderungen des PsychThG und den Weiterbildungsordnungen der jeweiligen Landesärztekammern. Alle führen zum Erwerb der Fachkunde für eine spätere sozialrechtliche Zulassung im Rahmen der GKV. Die einzelnen Institute geben gern Auskunft, welche berufsrechtlich relevanten Verfahren in ihrem Curriculum enthalten sind.

Noch ein Wort zur oft schwierigen Entscheidung zwischen psychoanalytischer und tiefenpsychologischer Ausbildung, die viele Interessenten und Bewerber umtreibt. Auch wenn für die Entscheidung meist die aktuelle Lebenssituation eine wichtige Rolle spielt, sollte sie auch im Hinblick auf die späteren beruflichen Handlungsmöglichkeiten sorgfältig bedacht werden. Während die rein tiefenpsychologischen Ausbildungsteilnehmer in ihren ambulanten Behandlungen auf Patienten angewiesen sind, denen man mit einer Behandlungsstunde in der Woche ausreichend helfen kann, ermöglicht die psychoanalytische Ausbildung die hochfrequente Patientenbehandlung mit bis zu vier Stunden pro Woche.

Viele Patienten, welche an psychogenen Erkrankungen jenseits der klassischen Neurosen leiden, also z.B. Menschen in schon lang andauernden schweren Krisen, mit Persönlichkeitsstörungen, mit chronischer Suizidalität, akuten Ängsten oder Depressionen, sind unter Umständen über lange Zeit auf mehrere Stunden Behandlung in der Woche angewiesen. Erst die darin erfahrbare Tiefe der emotionalen Erfahrung, des Gehalten-Seins auch in Zeiten aggressiver Konflikte oder schwerer Ängste eröffnet dann eine dauerhaft tragfähige Lebensmöglichkeit. Eine ausschließlich tiefenpsychologische Ausbildung stößt hier an ihre Grenzen, während eine umfassendere psychoanalytische Ausbildung eine fundierte, meist auch persönlich befriedigendere Grundlage für das Verstehen und die Behandlung eines breiten Spektrums seelischer Erkrankungen in den langen Jahren der weiteren Berufstätigkeit vermitteln kann.

 

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