Ergänzung zu unserer Stellungnahme: Israel und Gaza
29.8.2025
Am 8. Oktober 2023 haben wir die untenstehende Stellungnahme veröffentlicht. Seit dem Überfall von Hamas gemeinsam mit dem Islamischem Jihad und Al-Qassam Brigaden auf Israel ist viel geschehen.
Mit unserer erneuten Erklärung möchten wir daran festhalten, dass das Leben und Leiden aller Opfer auf allen Seiten des Konflikts und des Krieges uns berühren und uns angehen. Sowohl das Ausmaß der Zerstörung am 7. Oktober vor allem im Süden Israels als auch in der Folge in Gaza sowie die Auswirkungen in der Westbank erschüttern uns tief. Die ganze Region erleidet eine Traumatisierung, von der Heilung schwer vorstellbar ist und die, soweit möglich, nach unseren Erkenntnissen über transgenerationelle Traumatisierung mehrere Generationen beanspruchen dürfte. Insbesondere sind wir besorgt um das Ausmaß, in dem von Anfang an Alte, Frauen und Kinder unterschiedslos von der brutalen Gewalt mit betroffen waren und sind.
Die Arbeit unserer Kolleginnen und Kollegen in Israel, mit denen wir teilweise durch verschiedene Kooperationen verbunden sind, die ebenso wie die Bevölkerung in Israel mehr oder minder direkt von dem Überfall am 7. Oktober betroffen waren und sind und die sich seither um Linderung des Leids der Überlebenden, der Angehörigen von Opfern, der zurückgekehrten Geiseln und der Angehörigen der Geiseln, die sich weiter ihren Peinigern ausgeliefert in Gefangenschaft befinden, bemühen, können wir nicht hoch genug einschätzen. Viele von ihnen begleiten arabische und / oder muslimische und christliche Familien, die teilweise in gleicher Weise Opfer des Massakers und der Verschleppungen wurden. Einige bemühen sich, mit ärztlichen und psychologischen Kollegen in Gaza im Kontakt zu bleiben.
Wir bleiben mit ihnen in Beziehung und wissen um ihre schon vor dem Überfall geübte und seither anhaltende Kritik an den antidemokratischen Tendenzen ihrer Regierung, um die tiefe Traumatisierung der Bevölkerung wie unserer Kollegen durch die Folgen des Massakers ebenso wie um ihr Leiden und ihre Verzweiflung angesichts der Kriegsführung ihrer Regierung, mit hohen Opferzahlen, Hungersnot, und der weitgehenden Zerstörung, sowie angesichts der Verletzung von Humanität und Ethik, von allem, was unserem Berufsstand überall in der Welt, wie in Israel und in Gaza, gemeinsam ist: die Achtung und Bewahrung menschlichen Lebens, die Förderung von Lebens- und Entwicklungsmöglichkeiten.
Wir teilen das Entsetzen, dass das Leben der Geiseln nicht zu zählen scheint, dass es mit jedem Tag, den der Krieg fortgesetzt wird, weiter bedroht wird, nicht allein durch Folter und Misshandlung in Gaza, auch durch die destruktive Vorgehensweise der eigenen Regierung.
Wir teilen mit ihnen und Kollegen weltweit ebenso das Entsetzen über die Ausweglosigkeit und Hoffnungslosigkeit, die der Krieg in seiner grenzenlosen Destruktivität über die Bevölkerung und unsere psychologischen und ärztlichen Kollegen in Gaza und an anderen Orten in der Region bringt.
Wir haben keine Vorschläge zu Lösungen dessen, was derzeit auf den verschiedenen Ebenen so unlösbar scheint.
Aber wir wollen versuchen, mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln, die Dynamik hinter diesen destruktiven Prozessen mit all denen, die dazu bereit sind, zu verstehen.
Vor allem wollen wir unseren Anteil an Projektionen, Spaltungen, Falschurteilen und Falschbeschuldigungen wahrnehmen und verstehen lernen, mit denen wir zur Unlösbarkeit dieses Elends beitragen. Als notwendig erachten wir hierfür das Schaffen von Räumen für Kontakt, offenen Austausch, Austragen von Konflikten und Dialog.
Wir hoffen so, unserer Aufgabe und unserer Verantwortung als Psychoanalytikerinnen und Psychoanalytiker in Deutschland, die wir international mit Kolleginnen und Kollegen in der EPF in Europa und darüberhinaus weltweit in der IPA verbunden sind, gerecht zu werden.
Wir hoffen auf Entwicklungen hin zu friedlichen Verhältnissen, in denen die Opfer und Verluste auf allen Seiten gemeinsam betrauert werden können, auf dass Wege für ein Zusammenleben der verschiedenen Völker gefunden und beschritten werden.
Für den geschäftsführenden Vorstand der DPV
Dorothee von Tippelskirch-Eissing
Vorsitzende
8.10.2023
Die DPV ist bestürzt und tief betroffen von den terroristischen Angriffen der Hamas und der Hisbollah auf die Bevölkerung Israels. Wir sind in Sorge um das Leben und die physische und psychische Gesundheit aller Menschen, die von den hinterhältigen Attacken nichts ahnend betroffen sind.
Wir verurteilen diese Angriffe gegen unschuldige Menschen und fordern eine sofortige Beendigung der brutalen Gewalt gegen Israel.
Vor dem Hintergrund unserer Geschichte sehen wir uns als Deutsche dem Volk Israel gegenüber in einem besonderen Verantwortungsverhältnis und fühlen uns mit den Kolleginnen und Kollegen dort in diesen Tagen der Angst und des Schmerzes in Freundschaft verbunden.
Unser Mitgefühl gilt allen in der Region, die jetzt zu Opfern werden. Wir hoffen auf einen echten Friedensprozess in der Zukunft, in dem die berechtigten Interessen aller Beteiligten Berücksichtigung finden.
Für den Geschäftsführenden Vorstand der DPV
Thomas Beier
Vorsitzender